Warum ich kein MLM-Öl empfehle

Irgendwann kommt der Tag, da steht eine alte Schulfreundin vor der Tür und hat ein kleines Täschchen mit Ölen dabei, oder du wirst in der Tageszeitung zu einem duftenden Infoabend eingeladen. Die Öle riechen gut, keine Frage, und der Abend endet damit, dass man, noch etwas euphorisch vom Grapefruit Öl, 80 Euro für drei Fläschchen ausgegeben hat und, sich daheim nicht ganz sicher ist, wie das passiert ist.

Da ich gerade pleite war, habe ich mir die 80 Euro gespart, aber den Rest kenne ich natürlich auch.

Die Öle waren übrigens gar nicht schlecht. Nur das Drumherum hat mich etwas arg gestört. Da habe ich mich gefragt: Was steckt da eigentlich dahinter? Und was sind die Alternativen, hinter denen ich stehen kann?

Was MLM bedeutet

MLM steht für Multi-Level-Marketing. Das bekannteste Beispiel unserer Generation ist Tupperware. Die Produkte werden nicht im Laden verkauft, sondern über ein Netzwerk von Beraterinnen (ja, meist tatsächlich Frauen), die jeweils an ihren eigenen Verkäufen verdienen und an den Verkäufen der Leute, die sie selbst angeworben haben.

Das ist kein Geheimnis, sondern eher ein Verkaufsargument für die Angeworbene, und verboten ist es nicht. Aber es erklärt, warum ein 15-ml-Fläschchen Lavendel von DoTerra oder Young Living 30 bis 50 Euro kostet. Das ist kein mit Gold gegossener Lavendel, der den Preis macht, sondern hier stecken einfach nur die Provisionen für mehrere Ebenen drin.

Wirklich gut verdient, wer weit oben als Diamond in der Hierarchie sitzt. Die meisten Beraterinnen (und ein paar Männer) verkaufen vor allem an Freunde und Familie, solange der soziale Vorrat reicht, und viele verkaufen nie etwas, weil sie vielleicht Freundinnen wie mich haben.

Der Qualitätsmythos

Das Argument, das ich am häufigsten höre: „Aber die Qualität ist halt besser. Und die Öle sind ganz rein.“

Der Begriff „therapeutische Qualität“, den MLM-Marken gerne für sich beanspruchen, ist nicht geschützt. Den kann jeder auf ein Fläschchen schreiben, ebenso wie die verschiedenen Siegel, die auch nichts anderes sind als erfundene Claims, die vertrauenswürdig wirken sollen. Sie sagen nichts über Reinheit, Herkunft oder Inhaltsstoffe aus.

Was tatsächlich über die Qualität und Seriosität eines Öls Auskunft gibt, ist der lateinische Pflanzenname auf dem Etikett. (Lavandula angustifolia ist echter Lavendel, Lavandula intermedia ist Lavandin, und das ist ein Unterschied.) Dazu kommen das Herkunftsland, die Destillationsmethode und eine Chargennummer. Am aussagekräftigsten ist eine GC/MS-Analyse, eine gaschromatographische Untersuchung, die die chemotypische Zusammensetzung zeigt. Manche Anbieter stellen diese Analysen sogar online zur Verfügung.

Ach ja, und sie verlangen dafür keine Provisionen von ihren Kunden.

Anbieter, denen ich vertraue

Es gibt hier im deutschsprachigen Raum eine ganze Reihe unabhängiger Anbieter, die gute Qualität anbieten, die für die Aromapraxis taugen.

Ein paar, die ich schon ausprobiert habe und empfehlen kann: Primavera ist zum Teil bio-zertifiziert, in Deutschland weit verbreitet und in vielen Drogerien und Apotheken erhältlich, ebenso wie Taoasis. Auch Feeling aus Österreich und Neumond bieten eine breite Palette ätherischer Öle, nativer Pflanzenöle, Hydrolate sowie Aromapflege-Produkte an. Maienfelser arbeitet mit regionalem Fokus und ist besonders bei heimischen und besonderen Heilpflanzen stark.

Die Liste lässt sich sicher noch fortsetzen, und ich freue mich über Tipps in den Kommentaren.

Meine persönliche erste Wahl nach Preis-Leistung ist seit einigen Jahren Oshadhi. Das Unternehmen arbeitet eng mit kleinen Destillatoren zusammen, die Herkunft ist nachvollziehbar, das Sortiment groß, und der Gründer bietet immer wieder kostenlose Online-Vorträge an.

Wenn du also ein gutes Öl suchst und gleichzeitig meine Arbeit unterstützen möchtest, kannst du über diesen ✦ Link bestellen und erhältst mit dem Code bergblau5 fünf Prozent auf jede Bestellung. Ich empfehle Oshadhi, weil ich dort seit Jahren selbst einkaufe, und nein, kein Profisellerstatus wartet auf mich. 😊

Übrigens,

wenn dich demnächst jemand zu einer Öl-Präsentation einlädt: Geh ruhig hin. Die Öle sind nicht schlecht, und Riechen macht Spaß.

Bleib nur kritisch bei den oftmals sehr großzügigen Anwendungsempfehlungen und übertriebenen Heilversprechen. Ein Handout und ein Wochenendseminar machen noch lange keine Aromatherapeuten. Probiere am besten ein paar Hersteller aus und wähle dann den, mit dem du das beste Gefühl hast, und nicht den, der dir erklärt, dass du ihm vertrauen sollst.


Wenn du wissen willst, welche Öle für dich und dein Thema wirklich sinnvoll sind, darfst du dich gerne bei mir (an)melden: hannabergblau.de/aromaberatung

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