Im La La Lavendel Land

Lavendel erinnert viele noch an Omas Wäscheschrank. Zum Glück hatten wir nie diese muffigenMottenkugeln, daher denke ich eher an endlose lila Felder im Hochsommer, an summende Bienen und sirrende Hitze, die erst den blumig-würzigen Duft wahrnehmbar macht. Entspannt und high im La La Lavendel Land…

Fast jeder, der mal mit einem ätherischen Öl in Berührung kam, hat ein Fläschchen Lavendel in der Hand gehabt, aber kaum jemand weiß genau was eigentlich drin ist. Lavendel ist tatsächlich einer der vielseitigsten und sichersten Pflanzenstoffe in der Aromatherapie überhaupt. Allerdings steht auf dem Etikett meistens einfach nur „Lavendel“, und dahinter können sich gleich mehrere ziemlich unterschiedliche Pflanzen verstecken, mit eigenen Inhaltsstoffen, eigenen Wirkprofilen und eigener Anwendungsempfehlung. Wer das nicht weiß, kauft im Zweifel Lavandin zum Preis von echtem Lavendel und wundert sich dann, warum die Kinder davon partout nicht einschlafen wollen.

Die vier Lavendel-Pflanzen

Lavandula angustifolia, der echte Lavendel oder Lavendel fein, wächst oberhalb von 800 Metern. Er braucht länger, ist aufwendiger zu ernten und entsprechend teurer in der Gewinnung. Geerntet wird er übrigens genau in der größten Mittagshitze, bei 35 Grad und mehr, denn dann ist der Ölgehalt in den Blüten am höchsten. Das Öl ist reich an Linalool und Linalylacetat, riecht rund und blumig und ist mit Abstand das sanfteste im Lavendel-Quartett. Man kann es auch mal unverdünnt auf die Haut auftragen, es ist geeignet für kleine Wunden und Verbrennungen, sicher in der Anwendung bei Kindern, und natürlich schlaffördernd.

Das Interessante an echtem Lavendel ist außerdem seine scheinbar paradoxe Wirkungsweise. Er kann anregen oder entspannen, je nachdem was der Körper gerade braucht. Er besänftigt Extreme und bringt eher ins Gleichgewicht, als in eine bestimmte Richtung zu drängen. Es wäre also falsch zu sagen, der echte Lavendel wäre nur gut zum entspannen. Als echter Allrounder wirkt er in Mischungen übrigens wie ein Katalysator, der die anderen Öle in ihrer Wirkung besser zur Geltung bringt und unterstüzt.

Das ist übrigens der Lavendel, den die meisten im Kopf haben wenn sie „Lavendel“ denken, und auch der, den man mit den Postkartenmotiven aus der Provence assoziiert. Wobei, ehrlicherweise muss man dazu sagen, dass viele dieser malerischen Lavendelfelder eigentlich Lavandin sind, einfach weil er ergiebiger ist. Schön ist es trotzdem.

Lavandula x intermedia oder Lavandula Hybrida, der Lavandin, ist ein Hybrid aus echtem Lavendel und Speiklavendel. Er wächst im Flachland, ist genügsamer, ergiebiger und damit auch deutlich günstiger. Und genau das ist übrigens das Öl, das am häufigsten einfach als „Lavendel“ verkauft wird.

Zu Unrecht wird Lavandin oft als der minderwertige Bruder des echten Lavendels bezeichnet, man muss nur wissen, wie man ihn richtig einsetzt. Im Öl steckt merklich mehr Campher, und die Wirkung kippt eher ins Stimulierende statt ins Beruhigende. Bei Kindern und in der Schwangerschaft muss man hier schon vorsichtiger sein.
Zur Wunddesinfektion und bei Schmerzen vonMuskeln und Gelenken ist er sehr gut geeignet, ebenso bei niedrigem Blutdruck. Er wirkt vitalisierend und ausgleichend, nur zum einschlafen würde ich ihn nicht unbedingt nutzen.

Lavandula latifolia, der Speiklavendel, hat von allen den höchsten Camphergehalt unter den klassischen Lavendelarten. Er blüht erst spät im Sommer und wächst vor allem in Spanien und Portugal, wo er bis zu 50 Prozent mehr Campher entwickeln kann als in französischen Anbaugebieten. Ein Blick auf die Herkunft lohnt sich hier also durchaus. Mit einem hohen Cineol Anteil (kennen wir z.B. vom Eukalyptus oder Rosmarin-Öl) wirkt er geistig anregend und hat von allen Lavendelarten die stärkste antibakterielle Wirkung. Daher ist er hilfreich bei Atemwegsinfekten und Insektenstichen. Er sollte nie unverdünnt auf die Haut kommen. Für Kinder und Schwangere ist er nicht geeignet, und für den ganz normalen Alltagsgebrauch ohne etwas Hintergrundwissen eigentlich auch nicht die erste Wahl. Zudem riecht er auch deutlich schärfer und nicht annähernd so angenehm wie seine Verwandten.

Lavandula stoechas, der Schopflavendel, ist der vierte im Bunde und der am wenigsten bekannte. Er wächst wild, mit auffälligen blauvioletten Blüten, und hat einen Monoterpenketon-Gehalt von bis zu 80 Prozent und somit zu einem absoluten Schleimlöser. Zudem ist er gut für die Wundheilung und auf geistiger Ebene stimulierend und anregend. Gleichzeitig ist er aber der heikelste Lavendel der vier und absolut nichts für Schwangere, und sehr vorsichtig zu dosieren.

Um immer das richtige Lavendelöl zur hand zuhaben, muss der lateinische Pflanzenname in jedem Fall auf dem Etikett stehen, sonst weiß man es schlicht nicht, bis man das Fläschchen öffnet und daran riecht.

Wer wofür — auf einen Blick

  • Schlaf und Einschlafprobleme
  • allgemeine Entspannung, Stress, innere Unruhe
  • Haut: kleine Wunden, Verbrennungen, Insektenstiche
  • sicher in der Anwendung bei Kindern
  • einziger Lavendel, der auch unverdünnt aufgetragen werden kann
  • Muskeln und Gelenke, nach dem Sport
  • Verspannungen
  • Mückenschutz
  • Wunddesinfektion
  • niedriger Blutdruck
  • im Diffuser eher anregend als beruhigend
  • nicht für Kinder, nicht in der Schwangerschaft
  • Atemwege, Erkältungszeit
  • antibakteriell, die stärkste Wirkung im Quartett
  • hoher Camphergehalt, daher gezielt einsetzen statt als Allroundöl
  • nicht für Kinder und Schwangere
  • nie unverdünnt auf die Haut
  • schleimlösend
  • unterstützt die Wundheilung
  • geistig anregend, stimulierend
  • sehr vorsichtig dosieren, max. 2 Tropfen in 50 ml Basisöl
  • kann abortiv wirken — nichts für Schwangere
  • nur für Anwender mit Hintergrundwissen



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Du kannst aber genauso gut jedes andere, richtig deklarierte, ätherische Öl deiner Wahl verwenden.

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