Vor kurzen war ich in Spanien, genauer gesagt im Orangenparadies um Valencia. Leider war davon nicht mehr so viel übrig: kaum eine reife Frucht hing mehr am Baum, von der Orangeblüte (Neroli) brauchen wir natürlich erst gar nicht reden.

Trotzdem ließ ich es mir nicht nehmen und bin zwischen den kleinen Bäumen etwas auf – und abgewandert und konnte ein paar grüne unreife Bitterorangen finden. Die Luft war stickig heiß. Vereinzelt fand ich ein paar übrig gebliebene unreife und erfreute mich am herben- spritzigen Duft, die das Ganze gleich etwas erträglicher machten. Aber Moment mal, das riecht doch fast wie Petit Grain?

 

Als Petit Grain gilt das Ätherische Öl, das aus den Zweigen, Blättern und unreifen Früchten (Fruchtansätze) von Zitrusbäumen gewonnen werden. Zusammenfassend ein aromatisches Zwischending der Blüte und der reifen Frucht. Und so kann man sich auch seine Wirkung vorstellen.

 

 

IRGENDWIE DAZWISCHEN

 

Dieser Gedanke kam mir auch, als ich diese kleinen verschrumpelten Früchten am Boden liegen sah. Die Bäume, die bis vor einem Monat noch jeden in ein olfaktorisches Staunen versetzt haben, standen nun eintönig grün in Reih und Glied.

Die Blätter fest und kompakt um sich perfekt vor der Sonne zu schützen. Die unreifen Orangen als kleine Nachzügler der Haupternte. Keine Blüte mehr, aber auch noch keine süße Frucht.

Dennoch, beide Komponenten so nah beieinander, vereinen sie sich im Petit Grain:  Das angstlösende, mutmachende und stimmungsaufhellende Neroli und der sinnliche, entspannende und trotzdem belebende Duft der Orange. Eigentlich doch eine ganzheitlich runde und erdende Angelegenheit.

 

Wer da übrigens an den Allrounder Lavendel denken muss, liegt nicht falsch. Auf psychischer wie auf physischer Ebene ähneln sich die Zusammensetzung und Wirkungsweise beider ätherischen Öle. Wer also bei Lavendel fein an Omas Mottenkugeln erinnert wird, kann es gerne mal mit Petit Grain* versuchen. Und wem dieses zu bitter-holzig duftet, versucht es mit einer Verdünnung mit Neroli, Mandarine oder Zitrone.

 

Weil ich mich im Urlaub befand und in der sengenden Hitze sonst nichts zu tun war, ließ ich meine Gedanken schweifen und dachte über dieses Öl und sein „irgendwie dazwischen“ nach wie auch über den Aspekt, dass alle Komponenten des Baums zu diesem einen Öl verarbeitet werden.

 

DAS PENDEL NEU AUSRICHTEN

 

Das „irgendwie dazwischen“ – Bild kam mir im ersten Moment so verloren vor. Also in dem Sinne, nirgendwo einen Platz zu haben. Aber wieso eigentlich? Kann man es nicht auch als Pause sehen und von dort in die Rolle des Beobachters schlüpfen, eben weil man gerade im Moment nicht zu etwas gehören muss?

 

Übertragen ist es doch ein Innehalten zwischen dem jugendlichen, unbeschwerten (blumigen) Abschnitt und der reifen Zeit, dann wenn die Früchte geerntet werden. Beide Qualitäten, der Rückblick wie die Zukunft, sind in diesem Stadium enthalten und alles ist innerlich irgendwie bekannt und als Information in jeder Zelle gespeichert.

Also die beste Zeit um zu rekapitulieren was war und sich vorzubereiten auf das was wird.

So ein Prozess bedeutet allerdings Innehalten und sich nicht wie ein verängstigtes Huhn im Kreis zu rennen und unnötig Federn zu lassen. Kann eine wirklich Pflanze so weise sein?

Die Frage beantwortet in dem Fall das Petit Grain Mandarinenöl*. Hier stehen sich beispielsweise 50 % Ester (anregend) und 50 % Monoterpene (entspannend) gegenüber. Im Grunde total gegensätzliche Inhaltsstoffe.

Jetzt könnte man hier ein Ping Pong zwischen beiden Reizen sehen oder eben ein regulierendes Gleichgewicht schaffen. Das bedeutet der Erschöpfte findet neue Kraft und der Nervöse wird ruhiger. Ziel ist es, das Pendel leicht schwingend zur Mitte zu bringen und somit zu reifen – im Idealfall zu einer gesunden, leuchtenden, süßen und saftigen Frucht – mit ein bisschen bitter 😉.

 

 

Orangen Plantage irgendwo um Valencia

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