WACHOLDER

„Vor dem Holunder soll man den Hut abnehmen, vor einem Wacholder aber muss man in die Knie gehen“.

 

Hättest du mich noch vor zwei Monaten gefragt, welche Pflanze ich unbedingt im Garten haben möchte, oder welcher Duft mich täglich begleiten darf, wäre

Hättest du mich noch vor zwei Monaten gefragt, welche Pflanze ich unbedingt im Garten haben möchte, oder welcher Duft mich täglich begleiten darf, wäre Wacholder nicht unbedingt in meinen Top-Ten aufgetaucht. Dennoch kreuzte er thematisch immer wieder meinen Weg und kürzlich bekam ich einen Impuls, der das Öl in meine “ultimative-must-have-Liste” katapultierte.

Die violette, fast schwarze Beere (eigentlich ein Zapfen) zwischen den immergrünen stachligen Nadeln ist schon ein Bild für sich.

Natürlich muss man wissen, wofür der Wacholder steht und welche Themen er ganzheitlich bearbeitet.  Aber erst, wenn man sich mal eine Woche ausschließlich mit einem einzigen Öl beschäftigt, fängt man langsam an, die vielschichtigen Aspekte der Pflanze zu erkennen und zu verstehen. Aroma-Arbeit bedeutet also nicht, sich einfach in ätherischen Duftwolken einzuhüllen und Listen auswendig zu lernen, sondern sich mit der Thematik der Pflanze auseinanderzusetzen. Die Erkenntnisse sind natürlich je nach Ausgangslage der eigenen Situation und Geschichte verschieden, aber die Grundthematik ähnelt sich dennoch sehr.

 

 

 

Wacholder gehört zur Familie der Zypressengewächse. Die für die Destillation verwendeten Beeren (eigentlich Zapfen) der weiblichen Pflanze sind im ersten Jahr grün und werden im zweiten Jahr mit der Reife blauviolett.  Das ätherische Wacholderbeeren-Öl [Juniperus communis] riecht waldig-würzig, mit einem Hauch frischer Limone und noch irgendwas leicht Medizinisches im Abgang.
HARD FACTS

Bei den Germanen und auch in anderen Kulturen, war Wacholder oder auch Weihrauchbaum genannt, in erster Linie ein beliebtes Räuchermittel, um böse Geister zu vertreiben. Erst später nutzten Hippokrates (460 – 370 v. Chr.) und der griechische Arzt Dioskurides (1. Jhd. n. Chr.) Wacholder auch medizinisch zum Beispiel zur besseren Verdauung und Entwässerung.

Diese Eigenschaften rechtfertigten natürlich auch den ein oder anderen Wacholderschnaps – und das nicht zu Unrecht. Dennoch sollte bei akuten Nieren- oder Blasenentzündungen auf Wacholder verzichtet werden, da die harntreibende Wirkung zu weiteren Nierenreizungen führen kann.

Hildegard von Bingen setzte die Wacholderfrüchte als Bestandteil ihrer Medikamente gegen Fieber und Bronchialkatarren ein. „Wenn diese (Asthma-)Säfte in den Bronchien des Asthmakranken liegen bleiben, dann infizieren sie seine Lunge mit Schmutzigem und Fauligem und Eitrigen und machen sie wund.

Und dann wäre da noch Sebastian Kneipp zu erwähnen, der bei Muskelschmerzen, Gicht und Rheuma auf eine Kur mit Wacholderbeeren setzte.

 

In der Aromatherapie wirkt das Wacholderbeeren-Öl

… auf körperlicher Ebene

  • reinigend (Blut & Lymphe), entschlackend, entwässernd
  • fördert die Verdauung und reduziert Blähungen
  • steigert den Blutdruck
  • Muskelverspannungen und Gelenkschmerzen
  • Cellulite
  • Venenbeschwerden, Krampfadern und Hämorrhoiden
  • aktiviert den Stoffwechsel, bei Entgiftungskuren
  • Sollte in der Schwangerschaft vermieden werden!

 

Auf geistiger Ebene:

  • klärt die Gefühlswelten auf
  • richtet auf und aktiviert
  • stärkend bei überreizten Nerven und nervöser Anspannung
  • Mutlosigkeit, Angst
  • bei Überforderung und Stress
  • Energielosigkeit und Jetlag

 

 

WACHOLDER MACHT WACH

Kürzlich las ich einen Beitrag der Aromatherapeutin Sandra Ananda zum Thema Wacholder. Sie beschrieb darin ihren Weg, wie sie den Wacholder verstehen gelernt hatte.  Und an einem Aspekt blieb ich kleben: „Wacholder macht wach“ – nicht nur auf körperlicher Ebene, sondern auch spirituell. Da hat etwas in mir darauf bestanden, sich doch bitte endlich mal etwas intensiver mit dem Öl zu beschäftigen.

Wacholder ist für mich ein Potenzial-Entfalter, ein Verbündeter, wenn es darum geht zu erkennen und zu verstehen – in erster Linie sich selbst und in zweiter Linie im Blick nach außen. Das macht nicht immer Spaß. Je nachdem, wo man gerade so steht, zwingt es einen vielleicht in die Knie, geht einem an die Nieren, oder es schlägt auf den Magen, aber dafür ist der Wacholder ja da. Wie unsere Vorfahren schon richtig erkannten, vertreibt er die bösen Geister, die Besitz von uns ergriffen haben und lüftet den Schleier zur Erkenntnis

 

Das liest sich jetzt, als würde täglich etwas Wacholder-Öl im Diffusor zur Erleuchtung führen, aber verstehe es so, dass die geistige Aroma-Arbeit ein Thema zutage fördert. Dessen Auflösung muss schon selbst erledigt werden.

 

SELBSTERKENNTNIS EINES RHEUMATIKERS

Ich werde mich jetzt vielleicht etwas aus dem Fenster lehnen, aber das Folgende beruht teils auf persönlichen Beobachtungen und teils auf eigenen Erfahrungen.

Rheumatoide Arthritis ist scheiße. Die Gelenke sind entzündet und gehen mit der Zeit kaputt, jahrelang hat man Schmerzen, mal mehr mal weniger und je nach Alter und Leidensgrad des Patienten dauert es leider etwas Zeit, bis die Diagnose feststeht.

Der rheumatische Formenkreis ist ein sehr weites Feld mit vielen verschiedenen Ausprägungen. Nichtsdestotrotz sind die Behandlungen eher eindimensional. Es gibt da diesen Goldstandard mit MTX und, wenn das nicht so gut vertragen wird, haben wir noch zwei andere Medikamente in petto, die aber nicht minder aggressiv wirken.

Aber der Rheumatiker ist erst mal glücklich und nimmt die Tablette (oder Spritze) gerne an. Auch weil der Arzt gesagt hat, dass ohne das Zeug ein künstliches Gelenk oder der Rollstuhl droht. Lebenslange Diagnosen sind anfangs auch immer etwas beängstigend und so legt der Rheumatiker sehr gerne sein Leben und Leiden in die Hände des Internisten. Da die Medikamente ziemlich üble Nebenwirkungen haben, darf man monatlich zum Arzt und etwas Blut da lassen. Aber das ist nicht schlimm, denn hier wird sich ja um einen gekümmert und zuhause will das Gejammer eh niemand mehr hören…

 

Ich war zweimal auf Reha. Beides mal war es tatsächlich so, dass bestimmt 70 % der Rheuma-Patienten eher auf der Selbstmitleidschiene liefen und ein Teil davon täglich die Ärzte terrorisierten, ich könnte euch da was erzählen… Manche hatten auch schon aufgegeben. Leider haben sich nicht viele ernsthaft mit Behandlungsalternativen auseinandergesetzt, geschweige denn die Botschaft hinter der Krankheit gesucht. Und das streift mein Lieblingsthema „Eigenverantwortung“. 😉

 

Gehen wir mal davon aus, dass die körperliche Unbeweglichkeit und Steifheit ein Symbol für eine mentale Starrheit ist, was den Fortschritt in der eigenen Entwicklung verhindert. Das Immunsystem bekämpft sich selbst, was bedeutet, wir sind feindlich und womöglich auch aggressiv gegenüber uns selbst eingestellt. Diese sehr intensiven Gefühle fressen wir aber in uns rein, weil wer darf denn schon mal so richtig auf den Tisch hauen? Auch Schübe kommen manchmal aus solchen Situationen, dann ist man wieder zur Passivität gezwungen und muss Hilfe annehmen. An dem Punkt treffen dann Schuldgefühle auf Tyrannei – und das ist keine besonders angenehme Kombi.

 

Bewusstwerdung, Selbsterkenntnis, Transformation.

Oben habe ich geschrieben, dass der Wacholder wach macht und hilft sich selbst zu erkennen. Um zu heilen muss man einfach bei sich selbst anfangen. Der Dämon muss raus.

Also könnte der Rheumatiker, mit Wacholder als Verbündetem, zum Beispiel eine kneippsche Wacholderbeeren-Kur machen sowie betroffene Gelenke mit 4 Tropfen Wacholder Öl, verdünnt in 50 ml Johanniskraut einreiben. Zum anderen unterstützend das ätherische Öl nutzen, um an den Themen Inflexibilität, Aggressionen, Wut, Angst, Schuld, Lebensziele und (Selbst)Mitleid zu arbeiten.

 

… bis es irgendwann wieder möglich ist ohne Schmerzen vor dem Wacholder in die Knie zu gehen und dann aber auch wieder aufzustehen und aufrecht weiterzulaufen.

 

Ich weiß, hard stuff.

Darauf einen Gin.

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