Wacholder macht wach

„Vor dem Holunder soll man den Hut abnehmen, vor einem Wacholder aber muss man in die Knie gehen“.

 

Ich bin über dieses Sprichwort gestolpert, als ich einen Text der Aromatherapeutin Sandra Ananda über den Wacholder las. Sie schrieb, wie sie diesem Baum begegnet ist und was er mit ihr gemacht hat, und ein Satz blieb bei mir hängen: Wacholder macht wach. Körperlich wie geistig.

Das klingt erstmal nach einem erstrebenswerten Ziel. Nur wer schon mal an der Oberfläche gekratzt hat, weiß wie schwer und schmerzhaft wach werden sein kann.

 

Wacholder ist kein Wohlfühlöl.

Wacholder ist kein Öl, das man abends in die Duftlampe gibt, wenn man sich einen netten Abend auf dem Sofa machen will. Er beschäftigt einen. Als ich das Wacholderöl das erste Mal wirklich bewusst wahrgenommen hatte, merkte ich, was es heißt mit einem Öl zu arbeiten. Das kann sich durchaus über Tage und Wochen ziehen.

Die Wacholderbeere kennt fast jeder aus der Küche oder eben aus dem Gin. Das ätherische Öl wird aus den Beeren und Zweigen gewonnen und hat einen harzigen, holzigen, leicht herben Duft den ich nicht unbedingt als besonders gefällig beschreiben würde. Es staut Wasser aus dem Gewebe, hilft bei Gelenken, bei Rheuma, also bei dem was sich im Körper festgesetzt hat oder wo sich etwas staut und nicht mehr richtig fließen kann. Wacholder hilft beim Loslassen.

Und an den Dingen, die man schon lange hätte loslassen sollen, setzt auch die Aromapraxis an, bis man irgendwann tatsächlich ohne Schmerzen vor ihm in die Knie gehen kann. Und dann auch wieder aufsteht. Und weitergeht.

Hard stuff, ja. Aber heilsam.

Darauf einen Gin.

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