Buddha war ein Anarchist

Es gibt dieses eine Zitat von Siddhartha Gautama, das mich damals wirklich tief ins Herz getroffen hat:

„Glaube nicht, was dein Lehrer dir sagt. Glaube nicht, was in Büchern steht. Glaube nicht, was viele Menschen tun. Glaube nicht, was Autoritätsfiguren dir sagen. Sondern gehe in dich, finde es für dich heraus und lebe danach.“

Zu viele Wege, zu wenig Tiefe

Gerade Menschen auf spiritueller Suche wirken oft orientierungslos. Meistens sind sie aber eher überorientiert. Im New-Age-Internetzeitalter gibt es einfach zu viele Wege, zu viele Versprechen und zu viele Traditionen, aus denen man sich irgendetwas zusammenbastelt, das ganz nett aussieht, aber letztlich die Tiefe einer Pfütze hat. Ein Überangebot an Möglichkeiten führt nicht zu Freiheit, sondern zu einer Art wohlig-wattierten Zerstreuung, die sich zwar nach Erkenntnis anfühlt, aber selten welche bringt.

Und irgendwann kratzt es dann doch irgendwo. Die eigentliche Sehnsucht liegt im Ankommen. Innen wie außen.

Freiheit bedeutet dann nicht mehr, alles ausprobieren zu müssen und ziellos herumzuwabern. Freiheit kann auch heißen: sich zu binden. Freiwillig.

Und mit den Jahren ehrlicher Reflexion musste ich mir dann irgendwann eingestehen, dass die größte Fremdbestimmung gar nicht mehr nur von außen kommt. Sie sitzt oftmals im eigenen Kopf, in übernommenen Wahrheiten, in Erwartungen, in der Erziehung der Eltern und auch in Konzepten die kulturell oder gesellschaftlich verankert sind und die man nie wirklich hinterfragt hat. Und genau hier begegnen sich zwei Denkweisen, die man normalerweise nicht in denselben Satz packt.

Beide stellen nämlich dieselbe Frage: Wer bestimmt eigentlich über mich, und warum lasse ich das zu?

Anarchismus und Dharma

Anarchismus bedeutet nicht Chaos und brennende Autos. Das Bild hat sich in vielen Köpfen so festgesetzt, aber der Kern ist ein anderer. Anarchistische Moral kommt nicht von oben, sodern entsteht aus dem Verständnis, dass das eigene Handeln Konsequenzen hat, für einen selbst und für andere, und dass man dafür geradestehen muss. Kein Gott, kein König, kein Land, keine Institution und kein Mensch übernimmt diese Verantwortung für dich.

Der Buddha Dharma kennt keine Gottheit, die belohnt oder bestraft. Was er kennt, ist eine sehr nüchterne Ethik: handle so, dass du anderen nicht schadest, erkenne die Wechselwirkungen deines Tuns, und übernimm Verantwortung für das was du bist und tust. Das ist, meiner Meinung nach, ziemlich anarchistisch.

Was du nicht willst, was man dir tut

… ist kein religiöses Gebot, das ist ein Naturgesetz. Jede Handlung hat Konsequenzen. Ursache und Wirkung, mehr ist es nicht. Und nach dem Prinzip müsste ein Zusammenleben doch wunderbar funktionieren, egal woher man kommt, welche Religion man hat oder ob man überhaupt etwas glaubt.

Das erinnert doch stark an das buddhistische Karma, das schlicht „Wirkung-Tat“ bedeutet, oder? Ein universelles Prinzip, das ohne himmlische Belohnung oder Absolution auskommt, aber eine gehörige Portion Eigenverantwortung mit sich bringt und Verantwortung gegenüber allem anderen, weil alles irgendwie doch in Beziehung steht.

Ich finde das hat erstaunlich wenig mit steinewerfenden Tagdieben oder dauermeditierenden Mönchen zu tun. Beides wäre bequemer als das, worum es wirklich geht: die Arbeit an sich selbst.

Ein Satz, den ich kürzlich hörte, bringt es gut auf den Punkt:

„Reagiere auf Schaden mit Nutzen.“

Und am Ende läuft alles auf denselben Kern hinaus.

Damit alle Lebewesen glücklich werden.

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