Durch die Dunkelnächte: Ein Weg zur Wintersonnenwende

Durch die Dunkelheit gehen

Hier ist sie, die Zeit im Jahr, in der die Dunkelheit sich nicht mehr wegdiskutieren lässt. Sie breitet sich aus, legt sich über die Tage und bringt eine gewisse Stimmung mit sich. Es ist anstrengend, aber eigentlich mag ich diese Zeit. Dieses Tieferwerden, wenn es immer dunkler und ruhiger wird.

Seit heute sind wir mit dem Beginn der Dunkel- oder Sperrnächte mittendrin. Jetzt beginnen die zwölf dunkelsten Nächte vor der Wintersonnenwende. Früher war ab diesem Zeitpunkt wirklich nichts mehr zu tun außer Haus und Hof winterfest zu machen, aufzuräumen (innerlich wie äußerlich), und sich auf die Rauhnächte und die baldige Rückkehr des Lichts vorzubreieten. Ich finde, das passt auch heute noch ziemlich gut.

Im Dezember kratzt oft etwas, dmait meine ich nicht nur den Wollpulli. Man ist müde, aber innerlich noch auf 180, hängt irgendwie noch im Früher und plant schon die Absichten von morgen. Irgendwo hängt noch dieser unterschwellige Hustle in der Luft. Alles konzentriert sich auf ein warmes Zimmer, hängt und hockt aufeinander – und nicht nur da wird es eng oder mit dem kommenden Weihnachtsstress ein bisschen zu viel.

Darum ist das Erste für mich immer: versuchen in der Zeit anzukommen.
Ruhig zu werden. Zu rekapitulieren.

Was darf gehen? Woraus bin ich rausgewachsen?
Welche Erwartungen und Vorstellungen trage ich herum – für mich und andere?
Und – genauso wichtig – was darf bleiben?

Es geht nicht immer nur ums Loslassen.

Wir reden so gerne vom Loslassen, dass wir manchmal vergessen, dass man nicht alles entsorgen muss. Das ist ein Trugschluss unserer Wegwerfgesellschaft, der mittlerweile bis in die Persönlichkeitsentwicklung reicht – und das Geschäftsmodell vieler Life-Coaches nährt. Es geht nicht darum, sich jedes Jahr neu zu erfinden und alles loszulassen. Es geht darum zu integrieren, zu reparieren und zu erkennen, was wirklich Müll ist – und was nur ein weniger gemochter Teil von uns. Man nennt das auch Akzeptanz.

Vorbereitung auf die Rauhnächte

Wenn man schon dabei ist, sein Inneres zu sortieren, darf es das auch im Außen wiederspiegeln. Das eine bedingt irgendwie das andere- aber es muss auch keine Großaktion werden. Es reicht ein Zimmer, eine Chaos-Schublade oder nochoffene Rechnungen begleichen. Vieleicht noch etwas Salz auf die Schwelle (schaden kann es nicht) und es darf auch etwas qualmen nd rauchen.

In dieser Zeit greife ich gerne wieder zu Räuchermischungen mit Harzen und Kräutern. Beifuß, Wacholder, Salbei, Fichte, Kiefernharz – Pflanzen die die schwere Luft klären und etwas wärmen.

Und dann raus.

Gerade jetzt , wenn die Dunkelnächte zu Deprinächten mutieren wollen tut frische Luft Wunder. Auch wenn’s kalt und ungemütlich ist.

„Ich ging nur hinaus, um einen Spaziergang zu machen, und beschloss dann, bis zum Sonnenuntergang draußen zu bleiben, denn ich stellte fest, dass Hinausgehen in Wirklichkeit Hineingehen war.“ – John Muir

Kälte, Wind, Sonne, Mond. Eisige Finger, klamme Füße, rote Nasen.
Solange du das fühlst, bist du lebendig und bei dir.

Zeit für kleine Rituale

Unsere Vorfahren glaubten, dass alte, hochgewachsene Fichten Krankheiten und Sorgen aufnehmen können. Oft band man ein Band mit einem Wunsch an ihre Äste oder vergrub ein Symbol der Krankheit an ihren Wurzeln. Auch heute darfst du der Fichte deinen Kummer anvertrauen – sie gilt als treuer Freund.

Angst, Einsamkeit oder das Gefühl, nicht genug zu sein, melden sich besonders in empfindsamen Zeiten. Dann geht es darum, wieder Sicherheit und Geborgenheit ins Leben zu holen und auf sich selbst zu Vetrauen. Hier kann der Duft der Fichte unterstützen – am stärksten in Verbindung mit dem Herzöl der Rose.

Oder das Johanniskraut, die kleine Sonnenreserve vom Sommer.
Ich habe letztes Jahr in den Rauhnächten intensiv damit gearbeitet und tatsächlich einen Lichtblick erlebt, der mich noch Monate getragen hat. Manchmal lohnt es sich, sich einer Pflanze ganz zu widmen. Gerade jetzt, wo die Schleier dünner sind, hört man am besten, was sie sagen will.

Die Vorweihnachtszeit war für die indigenen Nordvölker die „Nächte der Mütter“ an deren Ende das Sonnenkind geboren wurde. Eine Zeit geprägt von weiblicher Energie. Dazu passen alle Gesten, die die weibliche Kraft dieser Zeit lebendig machen: ein sanftes YinYoga, das Entzünden von Kerzen, Fürsorge oder das Schaffen einer wohlige Atmosphäre im Kreis der Familie oder unter Freunden.

Letzteres ist vermutlich die Königsdisziplin ab dem 24.12. – und wer sie meistert, darf sich getrost als heimliche Hüterin oder Hüter des Weihnachtsfriedens bezeichnen.

Darum die Vorbereitung, darum das Ankommen im Dezember, das Klarwerden und das Licht im Dunkel finden.

Komm gut durch die dunklen Nächte – und wenn es zwischendurch doch mal zu viel wird, denk daran: selbst die längste Nacht hat irgendwann ein Ende und gönne dir auch mal ein Glas Glühwein (oder zwei).

Ich wünsche dir eine schöne Wintersonnenwende und eine gesegnete Zeit.

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