DIE SACHE MIT MORAL UND ANSTAND

„Dass man immer erst schimpfen muss …“

 

Eigentlich könnte man ja meinen, es wäre das normalste auf der Welt ein gutes Miteinander zu pflegen, ganz nach dem Motto, tust du mir nichts, tu ich dir nix. Eigentlich. Doch scheinbar wurden soziale Kompetenzen und das kleine Sitten-1×1 die letzten Monate noch mehr abtrainiert.

 

Eigentlich bin ich doch ein netter Mensch und wie ich doch wieder feststellen muss, ziemlich gutgläubig. Ja, ich glaube in gewisser Weise immer noch irgendwie an das Gute und nehme mein Gegenüber immer beim Wort. Vielleicht gehe ich da zu sehr von mir selbst aus, aber wieso soll man mich bescheißen wollen?

 

Die letzten Wochen wurde ich mit meiner Ansicht wieder auf eine harte Probe gestellt, die auch mit materiellem Verlust einherging. Das tut weh, lässt mich immer mehr an Moral und Anstand zweifeln und stärkt nicht unbedingt mein zartes Vertrauen in andere Menschen. Es ist kein Geheimnis, dass ich sehr gerne meine Ruhe habe, dennoch ist es halt auch so, dass es ein Miteinander braucht, um eine gute Welt aufzubauen.

 

Kürzlich gab es den Rücktritt der Familienministerin Anne Spiegel. Grund: das mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat doch nicht so gut geklappt und während hunderte von Menschen während der Flutkatastrophe 2021 ums Überleben kämpften, war das eigene Leben dann doch um einiges härter, aber unter Frankreichs Sonne viel besser zu ertragen.
Diese Einsicht nach 4 Monaten Amtszeit verhalf ihr zu einer kleinen Belohnung von 75.000 Euro, während viele Menschen im Ahrtal noch immer nicht wissen, mit welchen Mitteln sie ihr Häuschen wieder aufbauen sollen.

 

„Wer das Kabinett verlässt, bekommt laut Paragraf 14 des Bundesministergesetzes nach einem Tag Amtszeit als Minister 75.600 Euro Übergangsgeld“

 

Ich meine, dass wir hier nicht über fehlende Moral und Anstand diskutieren müssen, dürfte eigentlich klar sein. Dürfte! Dachte ich auch.
Die Kommentare unter den Zeitungsartikeln zeichneten allerdings ein ganz anderes Bild, insbesondere als es um das „Übergangsgeld“ ging. Das sei völlig in Ordnung, weil gesetzlich so beschlossen (und Gesetz ist ja bekanntlich Gesetz!). Wer sich darüber aufrege, sei doch nur ein armer neidischer Hund. Und man dürfe ja nicht vergessen, dass die Dame ja jetzt erst mal arbeitslos sei. Oder aber es wurde relativiert, dass das ja gar nichts so viel wäre, weil in der Wirtschaft gäbe es immerhin eine Millionenabfindung …

 

Die Leute, die dieses Vorgehen völlig legitim finden, sind sich zum ersten wohl nicht ganz klar, wer die Kohle wirklich bezahlt, und zum zweiten wohl auch sonst eher nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Die „Ich-Ich-Ichs“, die dann so arme Hunde wie mich bescheißen. Man muss ja auch schauen, wo man bleibt, nicht wahr?

Und wisst ihr, was ich dann so unfassbar finde? Sobald ich mit Gesetz und Paragrafen winke, dann geht’s auf einmal. Aber als ob das was an der eigentlichen Tat-Sache ändern würde. Was wäre, wenn ich einfach mal nur schlicht an Moral, Anstand und die daraus resultierende Verbindlichkeit, appellieren würde? So das alte Spiel von richtig und falsch. Könnten wir da mal bitte, bitte wieder zurückfinden?

Schreibe einen Kommentar