In meiner Küche riecht es schon nach duftendem Basmati, und ich freue mich auf mein Mittagessen. Uhh, weißer Reis, wirst du vielleicht denken. Leere Kohlenhydrate, nährstoffarm, hoch verarbeitet, entzündungsfördernd – und neulich irgendwo gelesen: angeblich sogar krebsfördernd.*
Da war wohl wieder die Vollkorn‑Polizei unterwegs, denn es ist schon faszinierend, wie schnell ein Lebensmittel einen moralischen Beigeschmack bekommt. Weißer Reis ist inzwischen das schwarze Schaf in der Vorratskammer, während daneben der automatisch „Gute“ steht: der Vollkornreis. Naturbelassen, ballaststoffreich, gesund. Gerade in der „gesunden‑Ernährungs‑Blase“ kann man es ohnehin niemandem recht machen. Ich mag solche Schwarz‑Weiß‑Geschichten ja nicht besonders.
Wenn weißer Reis wirklich ein Problem wäre, hätten Kulturen mit jahrhundertelangem Reiskonsum massive Entzündungsraten. Und das Gegenteil ist der Fall.
Basmati im Ayurveda: gut für Agni
Im Ayurveda gilt Reis grundsätzlich als sehr verträglich. Besonders Basmati wird als sattvisch beschrieben, also als klar, leicht und ausgleichend. Warm gegessen ist er für alle drei Doshas geeignet, nur Kapha sollte darauf achten, dass der Reis nicht völlig verkocht ist. Mit etwas Ghee und passenden Gewürzen unterstützt er die Verdauung, ohne sie zu überfordern.
Der Ayurveda bewertet Lebensmittel nicht moralisch, sondern funktional. Ich weiß, das klingt unspektakulär und ist dazu auch noch günstig und alltagstauglich. Damit lässt sich nicht ganz so gut profitabel influencen.
Auch die moderne Ernährungswissenschaft verteufelt Basmati nicht. Er hat im Vergleich zu vielen anderen Reissorten einen moderateren Einfluss auf den Blutzucker und wird in der Regel gut vertragen. Natürlich enthält weißer Reis weniger Ballaststoffe als die Vollkornvariante. Aber aus „weniger Ballaststoffe“ wird in manchen Diskussionen erstaunlich schnell „problematisch“ – oft mit einem fast religiösen Unterton.
Die Behauptung, weißer Reis fördere Entzündungen, hält einer nüchternen Betrachtung kaum stand. Reis enthält weder Transfette noch typische Stoffe, die man mit entzündlichen Prozessen verbindet wie etwa stark erhitzte oder oxidierte Fette, bestimmte gesättigte Fettsäuren, zugesetzten Zucker oder hochverarbeitete Zusatzstoffe. Wenn er isoliert zum Problem erklärt wird, blendet das meist den größeren Zusammenhang aus, wie die Gesamternährung, den Lebensstil, Stress, Schlaf. Am Ende reagiert der Körper viel stärker auf das Gesamtbild als auf die Frage, ob ein Reiskorn geschält wurde oder nicht.
Brauner Reis ist aber auch ganz lecker
Natürlich hat auch Vollkornreis seine Berechtigung. Er sättigt länger, bringt mehr Ballaststoffe mit und passt für viele Menschen wunderbar in ihr Ernährungskonzept. Gleichzeitig ist er aber auch schwerer verdaulich – und gerade im Ayurveda ist das ein relevanter Punkt. Nicht jeder Bauch freut sich darüber, besonders wenn die Verdauung ohnehin sensibel reagiert.
Mir geht es weniger darum, wer recht hat, sondern darum, wieder genauer auf die eigene Nahrungsaufnahme zu achten. Der Körper arbeitet nicht ideologisch. Er reagiert auf Qualität, Menge und Zubereitung der Lebensmittel, die Tageszeit und natürlich auf die individuelle Konstitution. Ein Teller frisch gekochter Basmati ist sicher kein Angriff auf die Gesundheit. Er ist eine einfache, warme, nährende und – aus Versehen – ayurvedische Mahlzeit.
Und manchmal ist genau das richtig. Für mich jetzt allemal, denn mein Reis ist gerade fertig geworden.
*Ein kurzer Einschub zu dem „krebsfördernd“: Diese Sorge bezieht sich meist auf Arsen, das natürlicherweise in Böden vorkommt und von Reispflanzen stärker aufgenommen wird als von anderen Getreiden. Das ist kein Geheimnis. Aber: Basmati gehört zu den Sorten mit vergleichsweise niedrigen Arsenwerten, und wer seinen Reis gründlich wäscht und in viel Wasser kocht, reduziert den Gehalt zusätzlich. Das macht aus weißem Reis noch lange kein Gesundheitsrisiko.

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