Abseits von Dschungelcamp, Affenzirkus und Fußball gibt es im TV doch tatsächlich noch kleine Lichtblicke mit Informationswert. Gestern lief auf ARTE eine wertvolle Dokumentation, die zeigt, mit welcher Machtlosigkeit schwer kranke Menschen zu kämpfen haben, die einfach durchs System fallen.

Was nicht sein darf, kann nicht sein.

Dieser Satz hallt seit gestern in meinem Kopf wider, nachdem ich die Doku gesehen habe. Und leider musste ich feststellen, dass die geschilderten Probleme erschreckend viele Parallelen zu unserer Situation aufweisen. Mein Mann kämpft seit Jahren mit  ähnlichen Herausforderungen und findet einfach keine Hilfe im System.

Soll es mich trösten, dass man nicht allein ist und es anderen noch schlechter geht? Nein, im Gegenteil. Es macht mich unfassbar wütend und traurig, wie es sein kann, dass Millionen von Menschen und Schicksalen, denen es mehr als schlecht geht, darum kämpfen müssen, Hilfe zu bekommen. Ob es sich wie hier im Videobeitrag um ME/CFS-Erkrankte handelt oder um andere seltene Erkrankungen, die neu aufkommen oder aufgrund mehrschichtiger Beschwerdebilder schwer zu greifen sind, eines haben sie gemeinsam: Sie werden nicht ernst genommen oder es besteht einfach keine ausreichende Kapazität für diese Fälle. Der einfachste Ausweg: Psychosomatik. Ob körperliche Leiden dort gut aufgehoben sind? Meine Erfahrung sagt mir leider etwas anderes.

Und selbst wenn es noch keine Behandlung gibt, bleibt es für mich nicht nachvollziehbar, dass es für Betroffene weder einen Pflegegrad noch medizinische Unterstützung gibt. Kann man sich nicht ausdenken – muss man leider auch nicht.

Die Realität in unserem Gesundheitssystem sieht leider so aus: Ohne gesicherte Diagnose keine Hilfe. Da kannst du sabbernd auf dem Boden liegen, das macht keinen Unterschied. Und so bleibst du weiterhin offiziell arbeitsfähig, ein eingebildeter Kranker, der zu oft Dr. Google bemüht hat, und kannst froh sein, wenn du jemanden an deiner Seite hast, der für dich da ist. Passt dir das nicht, dann geh nach Berlin und beschwere dich dort.

Das sind übrigens Sätze, die ich mir selbst schon von weißbekittelten Herrschaften anhören musste.

Ich verneige mich tief vor der Ausdauer der pflegenden Angehörigen und noch tiefer vor denen, die in ihrem Körper gefangen sind, ohne „die Kerze am Ende des Tunnels“ überhaupt erkennen zu können. Schön, dass sie hier in diesem Beitrag ein Gesicht und eine Stimme bekommen haben. Denn neben all den vielen Problemen, die da draußen herrschen, sind diese leider viel zu leise, weil gefangen in den eigenen vier Wänden.

 

Was sind deine Erfahrungen?

Teile gerne deine Geschichte im Kommentarbereich.

 

Aus datenschutzrechtlichen Gründen benötigt YouTube Ihre Einwilligung um geladen zu werden. Mehr Informationen finden Sie unter Privacy Policy.
Akzeptieren

 

ARTE DOKU: Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS) ist eine Multisystemerkrankung mit verheerenden Folgen. Seit Jahrzehnten wird sie immer noch missverstanden, sie ist kaum erforscht und vom Gesundheitssystem kaum anerkannt. Der Dokumentarfilm erklärt die Erkrankung und schildert den Leidensweg von Betroffenen. Obwohl die Myalgische Enzephalomyelitis, das Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS), seit Jahrzehnten als neurologische Erkrankung anerkannt ist, wird sie dennoch von weiten Teilen der Ärzteschaft nach wie vor missverstanden. Zudem wird sie von der Pharmaindustrie kaum erforscht und vom Gesundheitssystem größtenteils ignoriert. Mit Long-Covid und den Folgen der Covid-Impfung kommen Millionen Erkrankte hinzu. Es besteht der Verdacht, dass das Coronavirus die Krankheit auslösen kann. Der Dokumentarfilm beleuchtet das Thema aus der Perspektive von Betroffenen und stellt Auffassungen aus Politik, Medizin, Wissenschaft und Pharmaindustrie vor. Dabei verbindet der Film historische Analyse mit aktueller Bestandsaufnahme und persönlichen Erfahrungsberichten. Eine von ihnen ist die Regisseurin Sibylle Dahrendorf, die seit Jahren an der Verkettung multisystemischer Krankheiten leidet – darunter auch an den Folgen der Medikamentenschädigung durch Fluorchinolone, das zur Gruppe der Breitbandantibiotika zählt. Ohne Behandlung und ans Bett gefesselt, bleiben Dahrendorf vor allem die Sozialen Medien für den Austausch mit der Außenwelt und mit Wissenschaftlern. Regisseurin Daniela Schmidt-Langels folgt den Spuren der gemeinsamen Recherche, führt Interviews mit Experten auf der ganzen Welt und versucht, Verantwortliche in Politik und Gesundheitswesen mit der Situation zu konfrontieren. „Chronisch krank, chronisch ignoriert“ deckt die gravierende Ignoranz im Umgang mit ME/CFS und anderen multisystemischen Erkrankungen auf und ist zugleich ein eindringliches Plädoyer für ein notwendiges Umdenken in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft. Dokumentarfilm von S. Dahrendorf und D. Schmidt-Langels (D 2024, 92 Min)

Video auf Youtube verfügbar bis zum 27/03/2025
Link zur Mediathek:
https://www.arte.tv/de/videos/108997-…

 

Leave A Comment