Die Sache mit der gelobten Auszeit

Frisch vom Urlaub an die Tastatur.

Mit dem „Übergepäck“ eines ganzen Jahres starteten wir unseren Roadtrip quer durch Frankreich.
Die Intention: rauskommen, neue Eindrücke, den Alltag durchbrechen, den Geist zur Ruhe bringen.
Kurz: eine Auszeit von allem nehmen.

Eine Woche geplant planlos on the road erreichten wir die Atlantikküste und endlich auch das Gefühl angekommen zu sein. Salzige Luft, endlose Weite, Sonne satt, feinster Sand.
Imposante Wellen, die mit den Surfern spielten.
Eine Szenerie, in der man noch Wochen hätte sitzen können. Aber der Alltag rief zurück.
Wieder stundenlanges Fahren durch die reizarmen Landschaften.

Zuhause dann:
Wäscheberge statt Dünen.
Und das Gefühl von Sand zwischen den Zehen – fast nicht mehr wahr.

Tage später spazierte ich im Sonnenschein durch den bunten Herbstwald. Goldenes Licht, süßer Duft verrottenden Laubs und kühle Frische im Gesicht. Und plötzlich war er da – der Gedanke, den ich drei Wochen früher gebraucht hätte:

„Wir brauchen keine Auszeit,

wir brauchen Zeit.“

Ich bin dem „Gönn dir eine Auszeit“ Gedanke auf den Leim gegangen.

Flucht vs. Präsenz.

Auszeiten auf Knopfdruck funktionieren nicht.
Schon gar nicht, wenn man aus einer unbequemen Situation flieht.
Eine Stunde Wellness kann dein Leben nicht ignorieren – das läuft parallel weiter.

Der Druck JETZT entspannen zu müssen, JETZT eine gute Zeit zu haben, JETZT loszulassen ist manchmal die größte Belastung. – immer dann, wenn es nicht JETZT so einfach funktionieren will. Und die Erinnerung die dein letzter Urlaub geschaffen hat, bleibt ein fader Nachgeschmack. Das Resultat? Schlechte Laune. Schlechtes Gewissen. Gegenüber dir, dem anderen, dem Bankkonto.

Wir brauchen keine Auszeit von irgendwas.
Sondern bewusste, integrierte Zeit mitten im Leben.
Präsenz, nicht Flucht.

Nutzen wir doch einfach den Alltag. Nutzen wir die Zeit, die wir ohnehin aufbringen – wie der tägliche Hunde Spaziergang im Wald. Zum Durchatmen. Zum Nachdenken. Oder auch nur, um das Abendessen zu planen.

Das schlechte Gewissen nagt nun nicht mehr so sehr. Wir haben unseren Ballast mit in den Urlaub genommen, sind mit ihm am Meer gesessen und den Wellen zugesehen. Muscheln gesammelt. die Sonne auf verspannten Schultern gespürt.

Und was für eine herrliche Zeit das war.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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